Griechenland-Krise – die verschwiegenen Hintergründe

Featured imageÜber die Fortsetzung des endlosen Theaterstücks rund um die Schulden Griechenlands berichten die Massenmedien wieder einmal, ohne die grösseren Zusammenhänge aufzuzeigen. Lieber lenkt man mit dem Fokus auf Nebensächlichkeiten ab, anstatt zuzugeben, dass die Kernursache dieser Krise das Versagen des in Europa weit fortgeschrittenen Geldsozialismus ist.

 

Einmal mehr wurde das alljährliche Seilziehen zwischen den Griechen und der Europäischen Union von unseren Medienschaffenden nicht zum Anlass genommen, den Bürgern die dahinterliegenden Kernursachen der Euro-Krise zu erklären. Entweder weil man selbst die grossen Linien nicht erkannt hat oder – noch schlimmer – weil man sich aus ideologischer Verblendung nicht eingestehen will, dass die Griechenland-Krise ein weiteres Anschauungsbeispiel dafür ist, dass der täglich von der Journalistengilde gepredigte oder geförderte Etatismus und staatliche Interventionismus versagt hat.

Ausweitung der staatlichen Macht

Aber alles der Reihe nach: Um zu verstehen, warum die Euro-Krise eine Krise des Etatismus ist, muss man etwas weiter zurückblicken.

Staaten haben im Verlauf der Geschichte immer wieder neue Methoden ersonnen, um die eigenen Einkünfte auf Kosten der Allgemeinheit zu maximieren. Schon seit jeher strebt die Classe politique danach, die eigene Macht auf Kosten der Bürger zu erweitern, um komfortabler über letztere herrschen zu können. Gab man sich früher noch mit dem sog. «Zehnten» zufrieden, ist es heute in den Augen vieler Bürger «normal» geworden, dass der Staat den Bürgern über die Hälfte ihrer Einkünfte wegnimmt.

Obwohl die Besteuerungs-Toleranz bei vielen Bürgern im Laufe der letzten Jahrzehnte stark zugenommen hat, gibt es auch heute noch bei jedem Steuerzahler eine Art obere Grenze, über der er nicht zu zahlen bereit ist, ohne zu protestieren. Angenommen der Staat wollte 100 Prozent unserer Einkommen an sich reissen: Der Volksaufstand wäre perfekt. Niemand will ausschliesslich für den Staat arbeiten.

Staatliche Einmischung ins Geldwesen

Weil die Erhebung von Steuern sehr unpopulär ist und eine zu hohe Besteuerung die bestehenden Herrschaftsverhältnisse infrage stellen könnte, entdeckten die Staaten für sich die heimliche Enteignungsmethode der Inflation, die traditionell eher geringen Widerstand bei den Beherrschten auslöste. Unter Inflation verstehen wir hier nicht den Anstieg des Preisniveaus, wie das heute im Wirtschaftsunterricht an unseren Schulen fälschlicherweise gelehrt wird, sondern die künstliche Minderung des Werts einer Geldeinheit durch den Geldproduzenten. Der Anstieg von Preisen kann eine Folge der Inflation sein, ist aber nicht Inflation per se. Durch diese Umdeutung von Begrifflichkeiten wurde bereits so grosse Verwirrung gestiftet, dass immer weniger Bürger die Zusammenhänge der staatlichen Geldfälschung durchschauen.

Die staatlichen Machthaber waren bereits in frühen Zeiten darauf erpicht, die Inflation zur Mittelbeschaffung für sich selbst zu nutzen und ersannen perfide Methoden zur versteckten Enteignung der Bevölkerung. Bis vor ein paar Jahrhunderten gab es noch keine Banken. Gold- und Silbermünzen – herausgegeben von privaten Goldschmiden – waren die dominierenden Zahlungsmittel. Der erste Schritt zur Machtaneignung durch den Staat bestand darin, ein uneingeschränktes Monopol an der Münzprägung zu ergattern. Dies erreichten die Herrscher, indem sie den Mythos verbreiteten, die Münzprägung sei ein wesentliches Vorrecht königlicher oder adeliger Souveränität. Im Anschluss schränkten sie Auswahl der auf dem Markt kursierenden Münzen gewaltsam ein und definierten die eigenhändig herausgegebenen Münzen als «gesetzliches Zahlungsmittel». Diese Währungsgesetze bestimmten neu, was Geld zu sein hatte, während dies zuvor Menschen untereinander in freiwilliger Übereinkunft beschlossen. Der freie Markt und der freie Austausch der Bürger wurde durch staatliches Diktat abgelöst.

Zuerst die Münzen, danach die Noten…

Nach der Aneignung des Münzmonopols setzten die Staaten alles daran, die Namen der Geldeinheiten umzubenennen. Wurde eine Geldeinheit früher noch nach ihrem Gewicht (Unze, Gramm) benannt, tauften die Staaten diese um und verleihten dem Geld eine patriotische Note: Dollar, Franc oder Mark hiess das staatliche Geld. Diese List verschaffte den Herrschern die Grundlage für Münzfälschung in grösserem Stil: Neu konnten die Münzen losgelöst von ihrem Gewicht geprägt werden. Man schmelzte dafür einfach die alten Münzen ein und prägte diese mit einem geringeren Gold- oder Silberanteil, obwohl der Nennwert nicht verändert wurde. Das dadurch eingesparte Gold und Silber eigneten sich die staatlichen Herrscher an, um ihre Macht und ihren Einfluss zu erweitern. Sie konnten nun mehr Mittel ausgeben als sie durch reine Besteuerung eingenommen hatten. Starke Entwertung des Geldes – also Inflation – war typisches Kennzeichen in fast jedem europäischen Land des Mittelalters.

Die Macht der staatlichen Inflationäre wurde allerdings zu dieser Zeit noch durch das internationale Metallgeldregime in Schach gehalten. Erst die Verbreitung von Geldsubstituten – also Quittungen auf eingelagerte Metallgeldeinheiten in Form von Papiergeld und Sichtguthaben – ermöglichte einen weiteren entscheidenden Schritt in der Aneignung der Herrschaft über das Geld durch die Staatsmacht. Zum Zweck der Inflationsausdehnung wurden staatlich regulierte oder staatlich gelenkte Zentralbanken errichtet, welche dem Staat als verlängerter Arm dienen, auch wenn diese oftmals zum Schein als «unabhängig» getarnt werden, obwohl keine Zentralbank der Welt je wirklich unabhängig war. (Warum das so ist, habe ich bereits an anderer Stelle ausgeführt: http://www.politnetz.ch/artikel/21690-obwohl-sie-oft-beschworen-wird-die-unabhaengigkeit-der-snb-ist-ein-mythos)

Einführung des Papiergeld-Standards

Die Zentralbanken erhielten ihre beherrschende Stellung durch die staatliche Gewährung eines Monopols zur Ausgabe von Noten. Stellte zuvor eine Note lediglich eine Quittung für hinterlegtes Gold dar, wurde nun die Note selbst als «werthaltig» deklariert. Die Bindung zum Gold wurde danach sogar durchtrennt. Hätte eine private Lager-Firma ihre Kunden derart dreist betrogen und die Lagerbelegscheine per se als wertvoll deklariert bei gleichzeitiger Aneignung der von den Kunden eingelagerten Gegenstände, hätte bestimmt die Staatsanwaltschaft auf der Matte gestanden. Nicht so beim Staat. Wenn etwas der politischen Klasse dient, wird Unrecht zu Recht.

Diese Einführung des Papiergeldstandard zu Beginn der 1970er Jahre war wohl eine der grössten Enteignungen des Volkes durch die Classe politique überhaupt. Dass daraufhin keine Revolution ausgebrochen ist, bestärkte die staatlichen Machthaber darin, das Enteignungsmittel Inflation noch stärker in Anspruch zu nehmen, um die Beherrschten um die Früchte ihrer Arbeit zu bringen und noch mehr Macht hinzuzugewinnen.

Die Inflation wurde in der Folge noch weiter angeheizt, indem man den Geschäftsbanken klarmachte, dass die Zentralbank als „lender of last resort“ stets zu Hilfe eilen würde, wenn wichtige Geschäftsbanken einmal in Probleme geraten würden. Durch die kontinuierliche Heruntermanipulierung der Zinsen motivierte man die Menschen zunehmend, bei Geschäftsbanken Kredite aufzunehmen. Weil die Kreditvergabe und die Geldschöpfung heute aneinander gekoppelt sind, erfolgt mit jeder Kreditvergabe eine Ausweitung der Geldmenge. In der Folge wurde die Geldmenge in Amerika und Europa seit der Einführung des Papiergeld-Standards so stark ausgeweitet, wie noch nie zuvor. Ein Experiment mit noch unklarem Ausgang ist also immer noch in vollem Gange – und wir alle dürfen Versuchskaninchen spielen, ohne dass nach unserem Einverständnis gefragt worden wäre.

Euro-Einführung: konsequente Weiterführung der Machtaneignung

Solange die Währungsangelegenheit noch Sache der Nationalstaaten war und die Staaten untereinander noch frei schwankende Wechselkurse hatten, wurde ein Land, das stärker als andere inflationierte, dadurch abgestraft, dass sein Wechselkurs relativ zu anderen fiel. Dies verteuerte die Importgüter für den betroffenen Staat, was insbesondere für Länder mit grosser Aussenhandelsorientierung von grosser Bedeutung war und negative Konsequenzen nach sich zog. Die Möglichkeit zur Inflation wurde also durch den bestehenden Währungswettbewerb zwischen Staaten limitiert.

Diese Limitierung passte den Staaten natürlich nicht. So wurde 1999 die Europäische Zentralbank (EZB) gegründet, mit welcher zum ersten Mal in der Geschichte ein zentraler europäischer Zeichengeldproduzent existiert, der die Beschränkungen des alten Systems aufhob. Der Währungsexperte Jörg Guido Hülsmann wies darauf hin, dass die Bedeutung der neuen EZB darin liege, «neue Wege zur Bereicherung des Staates und der mit dem Staat eng verbundenen Gruppen» zu eröffnen. Er konstatierte: «Wenn man schon einer nationalen Währungsbehörde nichts Positives abgewinnen kann, so gilt das erst recht für eine internationale Behörde, da diese unvergleichlich mehr Schaden anrichten kann. Die neugeschaffene Europäische Zentralbank und ihr Produkt, der Euro, lösen in der Tat keines der Währungsprobleme, die seit der Abkehr vom Edelmetallgeld immer wieder auftauchen. Vielmehr verschieben sie nur die Lösung dieser Probleme und verschärfen sie dadurch.»

Die Euro-Krise, die für viele ökonomische Dilettanten «völlig überraschend» kam, sagte Hülsmann schon 1999 voraus. Er schrieb: «Der Euro ermöglicht neue Kredite (beispielsweise an Griechenland, Anm. des Autors), doch er diszipliniert nicht die Staaten. Er wird daher die Staatsverschuldung in Europa neuen Höhen entgegenführen, bis sie an ihre natürliche Grenze stösst, genau wie die nationale Verschuldung heute ihre natürliche Grenze erreicht hat. … Der Euro führt in die Inflation.»

Euro dient Errichtung des Sozialismus auf europäischem Boden

An diesen Gedankengängen wird klar, um was es bei der Einführung des Euro ging. Nicht etwa um ökonomische Effizienz, wie vielfach behauptet wurde, sondern um die Ausweitung des Inflationierungspotenzials und damit der Enteignung der Bevölkerung durch die politische Klasse. Der Euro war ein grosser Erfolg der Classe politique auf ihrem Feldzug gegen die Freiheiten der Bürger. Es war ein weiterer Akt auf dem Weg zur Errichtung eines Sozialismus europäischer Prägung und damit zur totalen Machtergreifung der Politik.

Durch die Monopolisierung der Währung bei einer zentralistischen EU-Behörde wurde innerhalb der Euro-Zone jeglicher Währungswettbewerb ausgeschaltet und damit ein Geldsozialismus errichtet. Als nächster Schritt aus Sicht der Classe politique gilt es, die daraus entstehenden Probleme wie jenes mit Griechenland dazu zu nutzen, auch die restlichen Bereiche zu zentralisieren. So schreien bereits heute fast sämtliche EU-Politiker nach einer Bankenunion, nach einem gemeinsamen europäischen Finanzhaushalt, nach einem gemeinsamen Wohlfahrtsstaat auf EU-Ebene und gleisen fast täglich neue bürokratische Vereinheitlichungs- und Gleichmacherprojekte auf. Der Euro war das Einfallstor für die Errichtung der sozialistischen Zentralplanung in Europa – Zyniker nennen diese mittlerweile «EUdSSR».

Marktgeld statt Geldsozialismus

Das ist auch der unausgesprochene Grund, warum die Schweizer Sozialdemokraten so verbittert diesem planwirtschaftlichen Grossreich namens Europäische Union beitreten wollen. Jedes souveräne und unabhängig entscheidende Gebilde auf der Landkarte gilt es aus Sicht der Gleichmacher auszuschalten, da ein solches im direkten System-Wettbewerb stets die Unmöglichkeit der Zentralplanung auffliegen liesse. Die freie Schweiz soll der EU zum Frass vorgeworfen werden, um den lange geträumten sozialistischen Traum endlich wahrwerden zu lassen.

Was die Journalisten der Mainstreammedien ihren Lesern jetzt eigentlich klar machen müssten, wäre Folgendes: Griechenland ist überall! Das durch den Geldsozialismus und den ungebändigten Glauben an die Allmacht und die Allwissenheit des Staates gebaute Kartenhaus droht einzustürzen, sobald die natürliche Verschuldungsgrenze der EU erreicht ist. Wir müssen uns endlich wieder zurückbesinnen auf das Einmaleins der Ökonomie und akzeptieren, dass sich ökonomische Gesetze langfristig nicht durch staatliche Intervention aushebeln lassen. In den letzten Jahrzehnten wurde eine Schein- und Blasenökonomie sondergleichen errichtet durch immer weiter zunehmende Interventionen in den freien Markt. Das Platzen dieser gigantischen Blase ist jedoch nur durch immer extremere Eingriffe am freien Markt zu verhindern, was die Freiheit der Bürger Stück für Stück beerdigt: Geldschwemme, Heruntermanipulieren der Zinsen, mehr Kontrollen hier, weitere Verbote dort. Wie in allen erprobten Formen des Sozialismus wird auch das europäische Experiment im Desaster enden, wenn wir nicht endlich das Ruder herumreissen und die Zentralplaner entmachten.

Der amerikanische Ökonom und Philosoph Murray Rothbard schrieb bereits in den 1970er Jahren: «Viele Leute – viele Ökonomen – die gewöhnlich dem freien Markt die Stange halten, hören damit beim Geld auf. Geld sei anders, versichern sie; es müsse von Regierungen hergestellt und reguliert werden. Ihnen kommt gar nicht erst der Gedanke, dass die staatliche Aufsicht über das Geld ein Eingriff in den freien Markt ist.» Wer den bislang weltweit überall gescheiterten Sozialismus auf europäischem Boden verhindern will, kommt nicht darum herum, dem Staat die Macht über unser Geldwesen zu entziehen. Deshalb muss auch in unserer Verfassung zwingend festgehalten werden, dass die Wahl des Geldes Sache der Bürger sei und keinesfalls auf staatlicher oder supranationaler Ebene festgelegt werden darf. Nur so kann sich ein heilender Währungswettbewerb etablieren, dank welchem sich die Bürger vor dem staatlichen Raubzug in Sicherheit bringen können.

 

Olivier Kessler

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