ÖV

Mit dem geöffneten Regenschirm in der einen Hand und den beiden Einkaufstaschen in der anderen stehe ich an der Bushaltestelle, während der Bus neben mir anhält. Ich will einsteigen – doch die Türen öffnen sich nicht. Überrascht schaue ich in den Rückspiegel des Busses. Hat der Fahrer technische Probleme? Doch dieser blickt unbeirrt geradeaus und ist bereit für die Weiterfahrt. Dann verstand ich: Jeder der hier rein oder raus will, soll gefälligst die Knöpfe links und rechts der Tür drücken. Mit demonstrativer Ignoranz sollen die ÖV-Kunden wohl so erzogen werden, dass die Staatsangestellten möglichst wenig Arbeit mit ihnen haben. Ich stelle also die Papiertragtaschen in die nasse Pfütze vor mir, damit ich eine Hand freibekomme, um den Knopf zu drücken.

Mit dem Bus fuhr ich in Richtung des Bahnhofs, an welchem ich in einen stündlich fahrenden Anschlusszug umsteigen wollte. Der Bus hatte rund 5 Minuten Verspätung, womit die sofortige Weiterfahrt alles andere als gesichert war. Es wurde knapp. Wir näherten uns dem Bahnhof. Die Bahnübergangs-Lichter blinkten bereits, was darauf hindeutet, dass der Zug jeden Augenblick losfahren würde. Anstatt die Fahrgäste unmittelbar beim Bahnhof aussteigen zu lassen, fuhr der Busfahrer ganz gemütlich seine übliche Runde um den Busbahnhof. Dass alle Fahrgäste ihren Zug verpassten, interessierte ihn nicht sonderlich.

Ich gehöre zu den regen ÖV-Benutzern. Nicht etwa aus Überzeugung. Sondern weil die Politik das Autofahren immer stärker sanktioniert. Weil sie gleichzeitig die Bahn quersubventioniert und rund zwei Drittel der Ticketpreise vom Staat übernommen werden, wird der Schweizer zunehmend mit Zwangs-Anreizen auf die Schiene gedrängt. Die Folgen bekommen die Reisenden tagtäglich zu spüren, denn in den staatlichen Verkehrsmitteln sind nicht Kunden, sondern Bürokraten Könige. In der Gewissheit, dass Kunden dank den Gängelungen des Staates sowieso zum ÖV wechseln und Private durch die Bevorzugung staatlicher Anbieter ohnehin vom Markt gedrängt werden, kann man sich die Kundenfreundlichkeit bei den Staatsbetrieben sparen und die Preise ins Unermessliche erhöhen.

Eine Entstaatlichung des Verkehrswesens tut deshalb dringend not. Es braucht mehr Wettbewerb um die Gunst der Kunden und weniger staatliche Monopole. Schliesslich gibt es nichts Sozialeres als die freie Marktwirtschaft. Sie sorgt zwingendermassen für einen rücksichtsvolleren Umgang der Anbieter mit seinen Kunden, da diese existenziell von ihnen abhängig sind.

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