«Klimawandel stoppen» – um jeden Preis?

Bundesrat Alain Berset warnte an der Versammlung der Weltgesundheitsorganisation WHO vor den Folgen des Klimawandels und rief dazu auf, das Klima zu stabilisieren. Ist dies tatsächlich ein politisch erstrebenswertes Ziel?

An der diesjährigen Plenarsitzung der WHO in Genf warnte Bundesrat Berset vor über 3‘000 Delegierten davor, dass die Klimaerwärmung Dürren verursache, die zu Mangelernährung führen können. Ein Handeln «an allen Fronten» sei deshalb dringend nötig. Im Klartext: Allwissende Bürokraten sollen den Steuerzahlern noch mehr Mittel abnehmen zur Bekämpfung des Klimawandels.

Bei allem Zweifel über die Theorie des «menschengemachten Klimawandels» wollen wir für einen Moment annehmen, wir hätten tatsächlich die übermenschlichen Kräfte, das Klima der ganzen, komplexen Welt zu steuern und auf dem heutigen Niveau einzufrieren. Sollten wir die Klima-Stabilisierung dann wirklich zuoberst auf die Agenda setzen und all unsere Mittel zur Erreichung dieses Ziels verwenden?

Destruktive Stabilisatoren

Die von falschen Vorstellungen geleitete Stabilisierungs-Religion grassiert nicht nur bei Umwelt-, sondern auch bei Wirtschaftspolitikern. Dort stehen Gottspieler ebenfalls stets zur Stelle, wenn es darum geht, mittels Staatseingriffen heutige Arbeitsplätze zu retten, die abgebaut werden sollen – obwohl diese nicht mehr rentabel sind. Anstatt den Wandel zuzulassen und sich mit der neuen Situation zu arrangieren, wird oftmals angestrebt, jene Tätigkeiten künstlich am Leben zu erhalten, welche der Gesellschaft keinen Nutzen mehr bringen, weil sie von den Konsumenten nicht mehr nachgefragt werden. Man stelle sich vor, man hätte die Arbeitsplätze zur Produktion von alten Schreibmaschinen staatlich am Leben erhalten – ob es dann wohl heute günstige Computer für alle gäbe? Stabilisierung hiesse also in diesem Falle: Verhinderung des zivilisatorischen Fortschritts.

In dem Masse wie diese Fehlallokation der knappen Ressourcen gefördert wird, steigt auch die Fragilität des Wirtschaftssystems. Im Endeffekt führen solche zentralplanerischen Eingriffe zur angeblichen «Stabilisierung der Wirtschaft» zum Totalzusammenbruch. Die Sowjetunion lässt grüssen.

Geldwertstabilität statt Preisstabilität

Auch die Schweizerische Nationalbank verfolgt ein Stabilitätsziel: die Preisstabilität – und reduziert dadurch den Lebensstandard der Bürger. Fallende Preise auf breiter Ebene (beispielsweise durch technologischen Fortschritt) wären ein Glücksfall, da sich die Schweizer mit demselben Einkommen mehr leisten könnten. Die Nationalbank wirft jedoch ängstlich gigantische Summen an neuem Geld auf den Markt aus Angst vor dem Schreckgespenst Deflation. Gefangen im ungebändigten Stabilitäts-Glauben löst die Zentralbank mit dieser ungesunden Geldschöpfung Wirtschaftskrisen aus (Konjunkturtheorie von Ludwig von Mises) und enteignet die Sparer. Anstatt flexible Preise zuzulassen, die das Ergebnis von sich verändernden menschlichen Präferenzen und gleichzeitig als Knappheitssignale dienen, verursacht die künstliche Fixierung der Preise eine Fehlallokation der Ressourcen und führt zu enormer Verschwendung knapper Güter. Die fehlgeleitete künstliche Stabilisierung der Preise hat eine Destabilisierung des Geldwertes zur Folge – mit katastrophalen Auswirkungen.

Nicht anders verhält es sich mit Interventionen zur Verhinderung des Klimawandels – mit dem Unterschied, dass hier nicht heutige Arbeitsplätze oder Preise, sondern Temperatur-Durchschnitte fixiert werden sollen. Auch wenn die Intention gut gemeint sein mag: Die Politik der Klimalenker blendet aus, dass die Menschheit auch noch andere Problemen bewältigen muss, um zu überleben.

Mittel für dringendere Probleme fehlen

Der Klimawandel ist gemäss Analysen der WHO nur für 0,3 Prozent der weltweiten Gesundheitsbelastung und Sterblichkeit verantwortlich. Andere Risikofaktoren haben eine grössere Bedeutung: Beispielsweise ist die Zahl der Hungertoten über zwanzigmal höher als die Zahl der Klimaopfer. Jene, die durch verschmutztes Wasser sterben ist zehnmal und die Zahl der Malariaopfer sechsmal so hoch.

Worin liegt nun die Legitimation dafür, immer mehr vorhandene Mittel in die Sparte Klima zu buttern und dieses irgendwie stabilisieren zu wollen, obwohl die Temperaturen schon immer natürlich schwankten? Den Klima-Apokalyptikern geht es nicht um den Schutz der Menschen, weil sie damit gerade erst die Tragödie herbeiführen: Durch die Intensivierung der Klima-Politik fehlen immer mehr Mittel zur Bekämpfung von dringenderen Problemen.

Auch wenn die Prognosen der Erderwärmung um ein paar Grad zutreffen sollten: Weshalb muss der Staat Enteignungen im grossen Ausmass vornehmen und den Bürgern Entscheidungen abnehmen? Hat nicht die zentralistische, desaströse Umweltpolitik aller sozialistischer Staaten gezeigt, dass man Umweltprobleme eben gerade nicht auf diese Weise angehen sollte?

Vertrauen in Anpassungsfähigkeit

Die Voraussetzung einer klugen Umweltpolitik sind sichere Eigentumsrechte. Seinem Eigentum trägt man – ganz im Gegensatz zu öffentlichen Gütern (Tragödie der Allmende) – Sorge und schützt dieses vor Ausbeutung und Verschmutzung. Ein Eigentümer, der sein eigenes Hab und Gut zerstört, handelt gegen seine Interessen. Aus diesem Grund ist eine freiheitliche Umweltpolitik in allen Belangen besser als eine von Bürokraten verordnete und gesteuerte.

Menschen haben in der Geschichte schon immer flexibel auf sich verändernde Umstände reagiert und sich neuen Situationen angepasst. Auch beim Klimawandel wird das nicht anders sein. So können beispielsweise Deiche gegen steigende Meeresspiegel gebaut werden – und dies zu wesentlich geringeren Kosten als die grössenwahnsinnige «Stabilisierung des Weltklimas». Es ist höchste Zeit, das weitgeglaubte Konzept der «Klima-Stabilität um jeden Preis» aufzugeben.

Olivier Kessler

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