Flugsicherheit

Vor wenigen Tagen kehrte ich von einer Reise in den Iran zurück. Dabei kam ich wieder einmal in den Genuss der Theateraufführung, die bestimmt viele von Ihnen auch schon unfreiwillig mitverfolgen durften: die Sicherheits-Komödie an Flughäfen, die seit 9/11 immer groteskere Züge annimmt.

Flugpassagiere sind heute potenzielle Täter. Hinter jedem Reisenden verbirgt sich ein Terrorist. Brav müssen sich die Verdächtigen – eingehüllt in käsigem Geruch, ausgezogener Schuhe entweichend – in eine Reihe vor die Metalldetektoren stellen. Diese piepsen nach dem Zufallsprinzip. So kann es vorkommen, dass man einmal zu einem höchst intimen Ganzkörpercheck beim Sicherheitspersonal eingeladen wird und das andere Mal mit derselben Kleidung und denselben Accessoires problemlos durchspazieren kann.

Durstige Fluggäste werden vom Gesetzgeber als besonders gefährlich eingestuft. Deren Waffe, die Wasserflasche, wird ihnen kompromisslos abgenommen und noch vor Ort vernichtet. Nicht mit minder harter Hand werden Damen angefasst, die ihren Nagellackentferner mit an Bord nehmen wollen – er könnte ja dank seines Alkoholgehalts als Brandbeschleuniger eingesetzt werden. Was auf den ersten Blick einleuchten mag, wird spätestens nach den Sicherheitskontrollen zur Lachnummer: Problemlos kann in den Dutyfree-Läden Hochprozentiges eingekauft und zweckentfremdet werden.

Kürzlich wollte ich Freunden in Osteuropa eine Freude machen und ihnen ein Schweizer Fondue-Caquelon mitbringen. Die im eingecheckten Koffer transportierte Überraschung fand ich allerdings nach meinem Flug in zerrissener Geschenkverpackung vor. Grund für diesen unsanften Eingriff in meine Privatsphäre war die im Fondue-Set miteingepackte Brennpaste, die sich nach Meinung der Sicherheitsverantwortlichen offenbar von selbst in Flammen setzen kann.

Das Sicherheits-Theater wird von vielen Staaten aufgeführt, damit Politiker ihren Wählern zeigen können, dass ihnen die Sicherheit der Bürger am Herzen liegt. Mehr Kontrolle schafft mehr Sicherheit, lautet das Credo. Nicht das Verbrechen, sondern dessen Entstehung wird im Präventionsstaat bekämpft. Von dieser Beseitigung des zentralen Prinzips des Rechtsstaats, der Unschuldsvermutung, ist es ein kleiner Schritt zum Totalitarismus. Wie lange es wohl geht, bis uns der Leviathan auch beim Besteigen anderer Verkehrsmittel «nicht regelkonforme Gegenstände» abnimmt und vor unseren Haustüren Ganzkörperscanner montiert?

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