Altersvorsorge 2020

Featured imageSeit Bundesrat Berset sein Reformprojekt «Altersvorsorge 2020» vorgelegt hat, spitzen sich die Konflikte in unserem Land zu. Frauenorganisationen wehren sich gegen die Erhöhung des Frauen-Rentenalters auf 65, Männerorganisationen plädieren für Gleichberechtigung. Sozialisten wollen mit der Mehrwertsteuer rauf, die Wirtschaft auf keinen Fall. Unzählige Polit-Schlachten eröffnen sich, auf denen über Jahre erbittert gekämpft wird. Klar ist: Die AHV ist in ihrer heutigen Form mittelfristig nicht mehr finanzierbar und eine Reform drängt sich auf.

Das letzte Jahrhundert war geprägt von zunehmender Zwangs-Kollektivierung und vom Entzug der Eigenverantwortung. Davon blieb auch die Schweizer Altersvorsorge nicht verschont. Mit der Einführung der AHV hatte man das Kapitaldeckungsverfahren abgeschafft und ein auf Zwang basierendes Umlageverfahren eingeführt. Die Ersparnisse, die ansonsten getätigt worden wären, wurden fortan in den Konsum der Rentner umgeleitet. Der Wirtschaft werden seither dringend benötigte Mittel entzogen, weil nun weniger angelegte Ersparnisse für wohlstandserhaltende Investitionen zur Verfügung stehen. Solche Ersparnis-Vernichtung hat Konsequenzen: Jedes Kind weiss, dass man sich nicht reichkonsumieren kann, sondern dass dies nur möglich ist über den Weg des Sparens. Weil die AHV das Gegenteil fördert und mittelfristig nicht mehr finanzierbar ist, trägt sie zur gesellschaftlichen Verarmung bei. Zudem funktioniert die Umverteilungs-Maschine nur so lange, wie neue Menschen einzahlen. Ein klassisches Schneeballsystem.

In Anbetracht der sich auftuenden finanziellen Löcher in unseren Vorsorgewerken und der davon ausgehenden Staatsverschuldung durch Rentenversprechen für die Zukunft müssen wir uns kritische Fragen stellen: Weshalb lassen wir uns vorschreiben, zu welchem Zeitpunkt wir in Pension zu gehen haben und wie viel wir jährlich auf die Seite legen sollen? Wären individuelle, auf Eigenverantwortung bauende Lösungen nicht die bessere Alternative? Könnten dadurch nicht die unterschiedlichen Wünsche und Lebensentwürfe verwirklicht werden, ohne unnötig Energie in politische Grabenkämpfe zu investieren?

Vorbild Chile

Chile hat es vorgemacht und sein Umlagesystem seit 1980 erfolgreich in individuelle Renten-Sparkonten umgewandelt. Heute liegen die Renten des neuen, privaten Systems bereits zwischen 50 bis 100 Prozent höher als beim damaligen Umlagesystem. Gerade auch deshalb ist Chile heute zum wohlhabendsten Land Südamerikas aufgestiegen, das seine Wachstumsraten mehr als verdoppeln und die Arbeitslosenquote stark reduzieren konnte. Wie haben die Chilenen das geschafft?

Durch die Umstellung vom Zwangs-Umlagesystem auf ein Kapitaldeckungsverfahren wurde den Bürgern erhebliche Gestaltungsmacht übertragen.  Um zu verhindern, dass jemand gar nichts fürs Alter auf die Seite legt, wurde eine 10-Prozent-Regelung eingeführt. Statt dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer wie im alten System Sozialabgaben an den Staat abliefern, zahlt der Arbeitgeber monatlich 10 Prozent vom Lohn des Angestellten auf ein Renten-Sparkonto ein, das der Arbeitnehmer bei einer selbstgewählten privaten Rentenfonds-Verwaltungsgesellschaft eröffnet. Diese 10-Prozent-Regelung gilt allerdings nur für die ersten 22000 Dollar Jahreseinkommen – für Männer bis zum 65. und für Frauen bis zum 60. Altersjahr.

Klar ist: Die AHV kann man nicht von heute auf morgen von Grund auf umwälzen, da die meisten Schweizer mittlerweile existenziell von ihr abhängig geworden und Leistungskürzungen oder Beitragserhöhungen für viele tabu sind. Nur: Wie kann die Altersvorsorge langfristig in der Schweiz sichergestellt werden?

Auch hier können wir wieder von Chile lernen, das den Umbau der Altersvorsorge erfolgreich umgesetzt hat.  Die chilenische Regierung garantierte all denjenigen, die bereits eine Rente nach dem alten System beziehen, dass die Leistungen durch die Reform nicht beeinflusst werden. Dies zwang die Staatsverwaltung zur Beschneidung verschwenderischer Ausgaben. Diejenigen, welche bereits Beiträge ins Umlagesystem eingezahlt haben, können frei wählen, ob sie im alten System verbleiben oder in das neue wechseln wollen. Dem Renten-Sparkonto wird beim Wechsel zum neuen System zur Kompensation eine Obligation gutgeschrieben. All jene, die noch gar nicht ins Umlagesystem eingezahlt haben, sind zum Eintritt ins neue System verpflichtet.

Über 99 Prozent der Chilenen sparen mittlerweile individuell für ihr Alter. Ihnen geht es wesentlich besser als unter dem alten Zwangs-Umverteilungs-system, das den Charakter der AHV hatte. Warum sollte eine solche Reform nicht auch in der Schweiz möglich sein?

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