Warum Konsumkredite in die Verarmung führen

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Die Zentralbanken liefern sich aktuell einen Wettbewerb, wer mehr Tonnen an Papiergeld drucken und mehr Bytes an elektronischem Geld erschaffen kann. Dies hält die Zinsen künstlich tief und bringt Kreditinstitute auf den Plan. Mit grossangelegten Kampagnen werben sie für eine noch intensivere Privatverschuldung.

“Kann ich mir eine neue Handtasche gönnen?” “Habe ich genug Geld für ein neues Motorrad?”

Mit dieser Plakatkampagne will ‘Credit Now’ (Tochter der Credit Suisse) die Bevölkerung zum Schuldenmachen animieren. Man soll sich also verschulden, um sich eine neue Tasche, ein Motorrad oder ein Auto zu leisten. Auch wenn es das gute Recht dieser Firma ist, für solche Kredite zu werben, möchte ich an dieser Stelle davor warnen, Konsumkredite aufzunehmen.

Ein Produkt erwerben sollte man erst, wenn man es sich auch wirklich leisten kann – das heisst, wenn man sich den nötigen Betrag angespart hat. Man weiss nie, was die Zukunft bringt und ob man den geschuldeten Betrag mir nichts dir nichts wieder zurückzahlen kann. Was ist, wenn man beispielsweise die Stelle verliert oder die Zinsen steigen? Dann sitzt man als Schuldner tief im Schlamassel und muss unter Umständen sein ganzes Hab und Gut versteigern. Somit verliert man nicht nur seine sieben Sachen, sondern auch seine Achtung vor sich selbst. Wenn der Verschuldungsdruck – und damit die Existenzangst – wächst und immer unerträgliche Züge annimmt, rücken Versuchungen zu rücksichtslosen, unmoralischen oder sogar illegalen Verhaltensweisen auch ins Blickfeld von eigentlich anständigen und integren Menschen.

Falsches Geldsystem

Auch aus makroökonomischer Perspektive sind Konsumkredite kritisch zu beurteilen. Der hervorragende Ökonom Roland Baader meinte dazu: “Die Ozeane aus Papier- und Kreditgeld, die vom Bankwesen mit Bruchteilsreserven, von den Zentralbanken und von der staatlichen Schuldentreiberei geschaffen werden, führen zu einer stetigen Verschuldungsbereitschaft der Bürger. Besonders die in der permanenten Geldvermehrung angelegte Inflation (Geldvermehrung IST Inflation – und Teuerung oder Preisinflation ist deren Folge) regt die Leute an, Schulden zu machen. Der ständige Kaufkraftverlust des fiat money bestraft das Halten von Bargeld und belohnt die Schuldner.” Das heutige Geldsystem ist zutiefst unmoralisch, da es zum Schuldenmachen animiert und damit die Menschen in einen potenziellen Ruin treibt. Es braucht deshalb wieder einen Anker (wie z.B. einen Goldstandard), damit nicht unendlich viel Geld produziert werden kann, wie das heute der Fall ist. Ansonsten hält die Zentralbank mit ihrer Geldschwemme die Zinsen künstlich tief, so dass immer noch mehr Leute dazu animiert werden, Kredite aufzunehmen. Die Teufelsspirale beginnt sich zu drehen. Die Geschichte könnte so ein vernichtendes Ende nehmen.

Dieser Doktrin der forcierten Privatverschuldung unterliegt eine Ideologie, die sich in der Wirtschaftswelt seit Jahrzehnten hartnäckig hält: Jene des Keynesianismus. Nach diesem Gedankengebäude ist Sparen etwas Schädliches, weil dadurch die Nachfrage sinke und die Wirtschaft erlahme. War es früher noch primär der Staat, der sogenanntes „deficit spending“ (Staatsausgaben, die sich der Staat ohne Kredite nicht leisten könnte) praktizierte, werden heute auch immer mehr die Privaten zu keynesianischen Dienern erzogen, die brav Schulden anhäufen. Die beiden Soziologieprofessoren Streeck und Crouch nennen dieses neue Phänomen treffend „privatized keynesianism“ (privatisierter Keynesianismus).

Hinter der Verschuldung steckt Keynes

Doch die Theorie des Keynesianismus wurde bereits von mehreren klugen Köpfen widerlegt. Roland Baader fand klare und einleuchtende Worte für diesen Irrglauben: „Sparen bedeutet, dass ein Teil des Einkommens nicht für Konsum verausgabt, sondern investiert wird. Ein Ansteigen der Ersparnis bedeutet nicht etwa einen Nachfrageausfall, wie die Keynesianer behaupten, der die Wirtschaft schädigt. Im Gegenteil: Wenn aus dem laufenden Einkommen mehr gespart und weniger konsumiert wird, folglich also mehr investiert wird, so verändert sich lediglich die Art und Weise, wie das laufende Einkommen verwendet wird. Sparen ist Konsumverzicht und notwendige Voraussetzung für das Investieren, das wiederum für Produktivitätsfortschritt sorgt. Wenn die Investitionen erfolgreich sind, wenn also Unternehmer die richtigen Entscheidungen treffen, steigt die künftig für Konsum verfügbare Konsumgütermenge. Eine Volkswirtschaft, die nicht spart, untergräbt ihren Wohlstand. Es ist daher ein geradezu fataler Irrglaube, die Gesellschaften müssen nur mehr konsumieren, damit sie „reicher“ werden.“

Wenn man den Sachverhalt etwas provokativ darstellen möchte, kann man im Grunde genommen also sagen, dass Konsumkredite dazu beitragen, dass eine Gesellschaft langfristig verarmt.

 

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